Steuerfallen


Steuerfallen sind unvorhergesehene Steuerbelastungen, die durch die komplizierte Verschachtelung des deutschen Steuerrechts entstehen. Wenn man in eine Steuerfalle getappt ist, merkt man das meistens gar nicht. Ärger gibt es erst dann, wenn das Finanzamt bzw. die Betriebsprüfung den Sachverhalt durchleuchtet. Vermeiden Sie solche teuren, unliebsamen Überraschungen und unnötige Einkommensteuer oder Gewerbesteuer oder Grunderwerbsteuer oder ... !

Die teuerste Falle

Die teuerste Steuerfalle ist das unbeabsichtigte Auflösen von stillen Reserven.

Warum ist sie teuer?

Weil sie einen teuer zu stehen kommt. Wenn das Finanzamt die Auflösung von stillen Reserven aufdeckt, bekommen Sie plötzlich und unerwartet einen Steuerbescheid über einen hohen Steuerbetrag.

Klar: Wenn Sie Ihren Betrieb irgendwann mal verkaufen, zahlen Sie die Steuern für den Verkaufsgewinn aus dem Verkaufserlös. Ohne Liquiditätsprobleme.

Bei der unabsichtlichen Auflösung von stillen Reserven haben Sie aber gerade keinen Verkauf getätigt und haben meist nicht das nötige Kleingeld, um die überraschenden Steuern zu bezahlen. Deshalb ist in vielen Fällen die gesamte berufliche Existenz gefährdet.

Warum ist der Steuerbescheid so hoch?

Weil der Fiskus Sie so behandelt, als hätten Sie Ihren Betrieb oder Teile davon mit Gewinn verkauft.

Das Steuerrecht tut so, als hätten Sie Ihren Betrieb oder die betrieblichen Immobilien ganz oder teilweise verkauft - obwohl gar kein Verkauf stattgefunden hat und Sie hierüber noch nie nachgedacht haben.

Wo lauert die Steuerfalle?

Diese Steuerfalle lauert überall dort, wo es steuerliches Betriebsvermögen gibt.

Aufgepasst: Manchmal werden Gegenstände zu Betriebsvermögen, ohne dass man das merkt! Das glauben Sie nicht? Doch, das komplizierte Steuerrecht macht es möglich!

In einem konkreten Gerichtsfall, zu dem ich als Steuersachverständige hinzugezogen wurde, entstand durch den Verkauf von vier Eigentumswohnungen ein ›Betrieb‹ (das Steuerrecht spricht von ›gewerblichem Grundstückshandel‹). Die Steuerpflichtigen besaßen andernorts noch andere Wohnungen im Privatvermögen, die vermietet wurden. Diese vermieteten Wohnungen wurden nun aufgrund der ›steuerlichen Abfärbewirkung‹ unbeabsichtigt zu Betriebsvermögen!

Es gibt zahlreiche weitere Fälle, in denen Dinge ins steuerliche Betriebsvermögen hineinrutschen, beispielsweise im Rahmen einer sogenannten steuerlichen ›Betriebsaufspaltung‹ (in Wirklichkeit wird kein Betrieb gesplittet, sondern es handelt sich um eine steuerliche Rechtskonstruktion). Es sind schon Fälle vorm Finanzgericht gelandet, da hatte nicht mal das langjährige Steuerbüro gemerkt, dass eine ›Betriebsaufspaltung‹ vorlag.

Folge: Vermögensgegenstände, die ursprünglich Privatvermögen waren, sind nun Betriebsvermögen und somit der Gefahr der unbeabsichtigten Aufdeckung von stillen Reserven ausgesetzt.  

Die Gesichter dieser Steuerfalle sind so vielfältig, dass kein Mensch je alle denkbaren Fälle aufzählen könnte. Hier ein in der Praxis häufig vorkommender Fall:

Der Sohn erbt den Betrieb und die Tochter bekommt eine Immobilie aus dem betrieblichen Vermögen. Folge: Mit dem Todesfall werden auf einen Schlag die stillen Reserven in der Immobilie aufgelöst. Für den vom Steuerrecht fingierten ›Hausverkauf‹ fällt Einkommensteuer an, so als wäre das Haus zum marktüblichen Wert verkauft worden. Unabhängig und zusätzlich zur Erbschaftsteuer. Das Geld für den unerwarteten Einkommensteuerbescheid sollte man eingeplant haben. Hätten Sie dran gedacht?

 

Noch mehr Steuerfallen - Beispiel:

Neben seiner Tätigkeit in einer augenärztlichen Gemeinschaftspraxis verkauft ein Arzt dort Kontaktlinsen. Eine Betriebsprüfung stellt fest, dass dies 8% des Gesamtumsatzes ausmacht. Das Steuerrecht spricht davon, dass die gewerblichen Verkaufsumsätze die ärztlichen Erlöse ›infizieren‹. Folge: 100% der Gesamtumsätze aller Ärzte der Gemeinschaftspraxis unterliegen der Gewerbesteuer! Eigentlich sind Ärzte gar nicht gewerbesteuerpflichtig... Da werden die Kollegen aber recht sauer sein. Man kann nur hoffen, dass vorbeugend im Gemeinschaftspraxisvertrag geregelt wurde, wer die Zeche zahlen muss.